Absage der Industriemesse wegen des Coronavirus

Dies ist unsere nicht gehaltene  Rede für die Regionsversammlung am 03.03.2020. Wir hatten eine Aktuelle Stunde bezüglich einer Absage der Industriemesse in Hannover einberufen. Diese wurde in der Regionsversammlung abgelehnt. Nur unsere HANNOVERANER-Fraktion und die AFD waren dagegen. Das gab es bisher noch nie, dass eine Aktuelle Stunde und damit eine Aussprache nicht stattfinden darf. Mir (M. Sosseh) wurde Panikmache vorgeworfen und H. Jagau vergleicht Corona mit der Grippe.

Demokratie?

Immerhin hat die Deutsche Messe heute die sowieso mehr als überflüssige “Halal”-Messe  und die Reifen-Messe verschoben.


Sehr geehrte Damen und Herren,

uns ist natürlich bewusst, dass die Region nur 0,129 % an der Messegesellschaft beteiligt ist, die Stadt und das Land hingegen jeweils fast mit 50%.  Trotzdem haben wir uns, aus Sorge um die Bevölkerung der Region, für diese Aktuelle Stunde entschieden. Bis zuletzt haben wir gehofft, dass diese Aussprache nicht nötig sein wird.

Angesichts steigender Fallzahlen, auch in Deutschland, scheint die Ausrichtung einer global aufgestellten Messe, ein brandgefährliches Spiel mit dem Feuer zu sein, was auf dem Rücken der Bürger und Bürgerinnen ausgerichtet wird.

Die Region und damit alle Bürger und Bürgerinnen, die in ihr wohnen, werden im Falle einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus, Hauptbetroffene sein.

Bei der zuletzt in Hannover stattgefunden Tire Technology Expo 2020 vom 25 – 27.02 hat sich der Veranstalter dazu entschlossen, im Eingangsbereich der Messe digitale Fieberthermometer zu installieren. Weiterhin wurden die Aussteller gebeten,  auf Standmitarbeiter aus China zu verzichten.

Wir sagen: Das ist lächerlich!

All diese Maßnahmen erscheinen nämlich angesichts der Tatsache, dass das Virus eine Inkubationszeit von 2 -14 Tagen hat, in dem die Betroffenen symptomfrei durch die Gegend laufen, bestenfalls hilflos, schlechtestensfalls sogar unverantwortlich zu sein.

Auch Hinweise gegenüber der Bevölkerung, sich häufiger die Hände zu waschen und diese zu desinfizieren, all dies auch auf der Seite des Robert Koch Instituts zu lesen, sind wohl nicht mehr als eine Beruhigungspille für die Bevölkerung. Zur Vermeidung einer Ansteckung wird dies jedoch nicht ausreichend, was jeder weiß, der schon einmal eine Grippe durchlebt hat.

Das Coronavirus scheint aber ungleich gefährlicher als eine Grippe zu sein. Eine neue Studie der Nankai University vergleicht den neuen Virus mit HIV und Ebola. (https://metro.co.uk/2020/02/27/coronavirus-hiv-like-mutation-helps-attack-human-cells-scientists-claim-12314129/?fbclid=IwAR1kbj0vvb4Tncin0UntnJEudyDRbGvXuPyyDJyv3_EVNpJnDNe_TDrQWq4, 29-02-2020) Die Wahrscheinlichkeit am Coronavirus zu sterben liegt fast zehnmal so hoch wie bei der Grippe (nach Aussage des RKI-Präsident Lothar Wieder). Zwar nimmt die Erkrankung in den meisten Fällen einen leichten Verlauf, von Erkrankten im hohen Alter stirbt jedoch fast jeder Siebente. Ab 50 Jahren steigt das Risiko, schwer zu erkranken.

Deshalb muss zum jetzigen Zeitpunkt vorrangigstes Ziel sein, eine weitere Verbreitung einzudämmen.

Misstrauisch macht uns auch, dass auf der einen Seite versucht wird die Bevölkerung zu beruhigen, andererseits aber  bei den aufgetretenen Fällen, zum Beispiel  in Italien drastischste Maßnahme, wie z. B. die Abriegelung von ganzen Ortschaften inklusive der Absage des Karnevals in Venedigs, erfolgten. Auch die Schweiz hat mittlerweile mit empfindlichen Maßnahmen reagiert und Großveranstaltungen ab 1000 Teilnehmern verboten. Wir fragen uns also: Gibt es bezüglich des Coronavirus Informationen, die der Bevölkerung vorenthalten werden?

Die ITB in Berlin wurde abgesagt. Facebook sagte seine Entwicklerkonferenz Mobile World Congress mit der Begründung ab, dass für sie die Gesundheit und Sicherheit ihrer Entwickler und Angestellten höchste Priorität hat. Hier! (https://www.cnet.com/news/facebook-suspends-mwc-plans-due-to-coronavirus-public-health-risk/)

Genau dies sollte auch für Region, Stadt und das Land Niedersachsen gelten! Hier ist die Politik gefragt, weswegen unsere Fraktion der HANNOVERANER diese Aktuelle Stunde einberufen hat.

Wir sagen:
Gesundheit geht vor Gewinnmaximierung.

Die Hannover Messe hatte im letzten Jahr 215000 Besuchern.  Der chinesische Anteil machte mit ca.  7200 dabei den Hauptteil aus. Dieses Jahr wird, laut regionaler Presse, bei erwarteten 200000 Besuchern mit 10000 aus der Volksrepublik China gerechnet.

Diese Prognose wird auch dann, wenn die Messe stattfinden wird, vermutlich nicht eingehalten werden.

Wenn also in der Presse (HAZ, 26.02.2020) geschrieben steht, dass der geplante Umsatz der Deutschen Messe im Falle einer Absage von 329 Millionen Euro um knapp ein Fünftel schrumpfen würde, dann berücksichtigt diese Rechnung nicht, dass selbst bei einer stattfindenden Hannover-Messe die Besucher-Zahlen massiv im Vergleich zum Vorjahr zurückgehen würden.

Viele Unternehmen werden schon von sich aus – von einer Präsenz in Hannover Abstand nehmen. Besucherzahlen von 200000 sind angesichts des Coronavirus nicht zu erreichen.

Von den Mitarbeitern der Firmen, die in Hannover dennoch repräsentieren werden, würde jedoch immer noch eine unkalkulierbare Gefährdung ausgehen, die dem vorrangigsten Ziel, die Epidemie noch einzudämmen, zuwiderlaufen würde.

Hinzu kommt, dass nicht nur auf dem Messegelände die Besucher der Gefahr einer Infektion ausgesetzt sind, sondern auch dadurch, dass öffentliche Infrastruktur, wie der ÖPNV der Region Hannover, der Einzelhandel und die Gastronomie von diesen  genutzt wird. Es ergeben sich schwere Risiken und wir fragen uns: Was ist als wertvoller einzustufen? Der finanzielle Gewinn der Deutschen Messe oder die Gesundheit der Bevölkerung?

Die Folgen eines Ausbruchs einer Epidemie in der Region, mitverursacht durch die Hannover Messe, wären also ungleich höher als die möglichen Gewinne.

Eine Epidemie würde darüber hinaus auch zu einer Überlastung der medizinischen Infrastruktur – man denke nur an MHH und Rettungs- und Sanitätsdienste – führen. Jeder Infizierte benötigt beispielsweise ein Einzelzimmer; Menschen, die in ihrem Zuhause isoliert werden, müssen mit Lebensmitteln versorgt werden. Gibt es genug Schutzmaßnahmen für das medizinische Fachpersonal?

Schon jetzt kommt es zu Engpässen bei der Einfuhr von Medikamenten, die in China produziert werden. Ist eine adäquate Versorgung von Erkrankten dann überhaupt noch möglich oder geht man schon davon aus, dass eine Mortalitätsrate von 2,1% bei den Erkrankten hinnehmbar wäre?

Wir denken nicht. Zahlen, die besagen, dass in China jeder fünfzigste Patient an den Folgen der Coronavirus-Infektion stirbt, sollten jeden alarmieren, der die Gefahren noch kleinredet! Hier!
(https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-jeder-fuenfzigste-patient-in-china-stirbt-an-der-lungenkrankheit-a-43a5627d-aef9-47dd-9b79-39238ad485f8, 29.02.2020)

Die Region Hannover muss deshalb in Zusammenschluss mit Stadt und Land ihren Einfluss auf die Deutsche Messe geltend machen und diese notfalls auch kurzfristig zu einer  Messe Absage bewegen. Dies muss u.a. in Rücksprache mit Experten des Robert-Koch-Institutes, innerhalb der nächsten vier Wochen geschehen, es sei denn, die Situation würde sich zum Positiven verändern. Hier nur auf die Weisung der Bundesregierung zu vertrauen, ist zu wenig.

Wir sagen deshalb noch einmal klar und deutlich:
Der Schutz der Bevölkerung muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben! Wenn sich das Pandemie-Potential des Coronavirus weiterhin steigert, muss die Messe abgesagt werden! (Marina Sosseh)

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